Designökonomie

versus Designwirtschaft versus Kultur- und Kreativwirtschaft. Eine klärende Begriffsanalysezur Vermeidung lokaler und globaler Peinlichkeiten.

Die Bedeutung der Kultur, Kreativität und des Designs werden nicht mehr in Frage gestellt. Dies ist in der Politik und den Förderinstitutionen mittlerweile so, auch in den Unternehmen und zunehmend in der Öffentlichkeit. Allerdings sind in Folge der zunehmenden Popularität auch kritisch bis negativ zu wertende Nebeneffekte entstanden. Diese äußern sich dadurch, dass die Begriffe Kultur, Kreativität und Design inflationär und oft auch völlig unsinnig verwendet werden.

Mittlerweile schmücken sich immer mehr Politiker, Institutionen, Unternehmen und Andere mit diesen Begriffen, ohne zu realisieren, dass sie von ihrer Kompetenz und ihrer Intention her weder die Voraussetzungen noch die Haltungen mitbringen. Um diese Problematik zu erkennen und daraus entsprechende Schlussfolgerungen zu ziehen, ist es sinnvoll die einzelnen Begriffe im Gegensatz zu analysieren.

Kulturwirtschaft versus Kreativwirtschaft

Der Kulturbegriff steht für die Gesamtheit der geistigen und künstlerischen Lebensäußerungen einer Gemeinschaft bzw. Menschengruppe. Dazu zählt auch die im erweiterten Sinne handwerkliche (und geistige) Fähigkeit und Fertigkeit. Damit entspricht er am ehesten der Ausübung eines Berufeshier durch den sogenannte schöpferischen Akt der künstlerischen und kreativen Tätigkeit.

Die im wirtschaftlichen Sinne ausgeübte Erwerbstätigkeit beinhaltet die Erschaffung und Produktion, die Verbreitung und Verteilung von Dienstleistungen und Gütern. Da der Begriff Kreativität in diesem Zusammenhang lediglich einen Teilaspekt abdeckt und nur der Begriff Kultur alle Gesichtspunkte subsumiert, ist eine korrekte und eindeutigere Verwendung der Bezeichnung Kulturwirtschaft dem der Kreativwirtschaft vorzuziehen.

Designwirtschaft versus Kultur-/Kreativwirtschaft

Die Entwicklung und Verwendung des Branchen-Dachbegriffs Kultur-/Kreativwirtschaft ist für die Designwirtschaft ein Glücksfall. Ohne diese Klassifizierung hätte sie keine Chance in Politik, Institutionen, Wirtschaft und Öffentlichkeit angemessen wahrgenommen zu werden. Die Dachmarke verhilft zu einer wirtschaftlich relevanten Zuordnung.

Allerdings sollte daraus nicht der Schluss gezogen werden, den Begriff Design gegen Kultur oder sogar Kreativ auszutauschen. Die Designwirtschaft ist zwar ein wichtiger Teilmarkt innerhalb der Kultur-/Kreativwirtschaft, aber sie ist nicht die Kultur-/Kreativwirtschaft. Es ist der Designwirtschaft in keiner Weise geholfen, mit der Kultur-/Kreativwirtschaft verwechselt zu werden. Vielmehr muss sie darauf bedacht sein, ihre Besonderheiten, Eigenarten, Fähigkeiten und vor allem ihren Nutzen für alle anderen herauszustellen.

Designökonomie versus Designwirtschaft

Der erwerbswirtschaftliche Aspekt ist die Grundlage für diese Klassifikation. Die inhaltlichen Tätigkeiten umfassen sowohl die Erschaffung als auch die Vermittlung von Dienstleistungen und Produkten. Damit ist gleichzeitig die Betonung auf ein sichtbares Endprodukt verbunden. Produktunabhängige Prozessewie zum Beispiel Beratungs- und Planungsleistungenwerden hier eher weniger zugeordnet.

Erwerb und kaufmännisches Agieren stehen für wirtschaftliches Handeln. Und damit grenzen sie die Fähigkeiten und Potenziale der Akteure in der Designwirtschaft ein und reduzieren sie auf einen monetären und in erster Linie eigennützigen Grund.

Die Herausforderungen für unsere Gesellschaft erfordern allerdings einen erweiterten Horizont. In Folge von umweltlicher und menschlicher Ausbeutung sind Schäden und Ungerechtigkeiten entstanden, die nur durch ehrbares Verhalten und gutes Haushalten wieder einigermassen behoben werden können. Überzogene Renditewünsche gehen zu Lasten von Lebensqualität-Bedürfnissen. Einstellungen und Mentalitäten, die einen sogenannten Turbo-Kapitalismus erzeugten, haben die Ordnung in sich wiederholende Krisen geraten lassen.

Eine Maxime daraus ist die Verantwortung, in Bezug auf die Zeitspanne, in der und für die Entscheidungsträger denken und handeln: Verantwortung verlangt Nachhaltigkeit, also das Denken in zumindest mittleren Fristen. Diese Verantwortung im Denken und Handeln hat eine unternehmerische Dimension. Diese wird eher durch den Begriff Ökonomie und dessen Verwandtschaft über den Sprachstamm zur Ökologie deutlich.

Designer – und damit die sogenannte Designwirtschaft – tun gut daran, die durch ihr Fähigkeitspotenzial vorhandenen Möglichkeiten über schlüssige Begriffe und Branchenbezeichnungen zu vermitteln. Daher ist Designökonomie in jeder Hinsicht zu bevorzugen.

Mit dem Begriff Designökonomie lässt sich sinnfällig machen, dass Sie als Designerin und Designer Voraussetzungen schaffen können – für Innovation und Orientierung in der Gesellschaft und Wirtschaft.

Dieser Text ist eine verkürzte Fassung aus dem neuen Buch Erfolgreich als Designer – Designzukunft denken und gestalten.