Markus Nebel: Psychogramm

»Psychogramm des Selbständigen«. Thesen, Stichwörter und Interviews mit selbstständigen und erfolgreichen Designern.

Markus Nebel hat mich im Sommer 2011 um ein Interview gebeten. Sein Thema beschäftigt mich als Coach schon sehr lange, und ich war neugierig wie er sich mit den Fragen zur Selbstständigkeit und der Unternehmerpersönlichkeit auseinandersetzte. Auch interessiert mich sehr, was die von ihm befragten Gestalter geantwortet haben.

Wir blieben danach im engen Kontakt und er bat mich um ein Vorwort für seine Diplomarbeit. Nachdem ich nun ein Bild von seiner Arbeit bekommen habe, fühlte ich mich geehrt und bin seiner Bitte sehr gern nachgekommen.
 
Markus Nebel geht es um den Übergang vom reinen Gestalter zum Unternehmer. Seine direkte und persönliche Ansprache zeigt, dass er sich selbst offensichtlich bereits in dieser Übergangsphase befindet. Im Grunde bestätigt er meine These, dass Designer und Unternehmer viele Gemeinsamkeiten haben. Wenn eine Berufsgruppe dem Unternehmer (oder besser : Entrepreneur) nahekommt, dann ist es der Designer. Die empirischen Daten aus der Designwirtschaft sind hierzu ganz eindeutig. Rund 50 % aller Designer in Deutschland sind selbstständig.
 
Die Frage die sich in diesem Zusammenhang stellt, ist: Was macht eine typische Unternehmerpersönlichkeit aus? Nun, zunächst ist festzuhalten, dass die Charakter-Bandbreite genauso groß ist wie bei allen Anderen. Also, jeder der gesund ist und eine gute Allgemein- und Fachausbildung hat, trägt alle erforderlichen Voraussetzungen in sich. Die oft zitierte Ideal-Unternehmerpersönlichkeit ist ein Klischee und hat mit der Realität wenig zu tun. Dafür gibt es in der Praxis viele Beispiele. Die beiden bekanntesten und erfolgreichsten Unternehmer – Steve Jobs (Apple) und Bill Gates (Microsoft) – können unterschiedlicher nicht sein.
 
Interessant sind die Besonderheiten in den Persönlichkeiten. Da gibt es zwischen dem, was man dem erfolgreichen Unternehmer zuordnet und dem, was ein Designer mitbringt, sehr viele Parallelen. Das Problem ist, dass Designern das nicht vermittelt wird. Wenn ich eine Liste relevanter Fähigkeiten für Unternehmer zusammenstelle, dann sind da einige Aspekte enthalten, die für Designer zutreffen. Da sind zum Beispiel die Fähigkeiten: zu beobachten, aus dem Beobachteten Schlüsse zu ziehen, zu interpretieren, daraus etwas Neues zu entwickeln und das zu gestalten. Und: Leidenschaft. Sich für etwas zu begeistern, für etwas zu brennen. Anders ausgedrückt, der Wille die Welt zu verändern. Oder wie Steve Jobs das einmal formuliert hat: »Eine Delle im Universum zu hinterlassenEben »anders denken«. Und noch etwas: Freiheit. Die Freiheit entscheiden zu können, was man gestaltet und was nicht.
 
Es kommt in erster Linie auf die eigene Haltung an. Wissen wo man steht und wo man stehen könnte. Das hat Zukunft. Design(er)zukunft.
 
Markus Nebel ist da auf dem richtigen Weg. Er lässt sich von Vorurteilen nicht abhalten, ist leidenschaftlich im Übergang – zwischen Studium und Berufspraxis – und nimmt sich die Freiheit. Alles beste Voraussetzungen.
 
Er hat seine Diplomarbeit in einer Auflage von 400 Exemplaren gedruckt  und bietet diese im Eigenverlag zum Kauf an. Nicht nur wegen der knappen Stückzahl ist ein Kauf sehr zu empfehlen. Die von ihm zusammengestellten Thesen und Stichwörter sind lesenswert, weil erhellend – geben sie doch einen tiefen Eiblick in die Denkweiser von 30 selbstständigen Designern.
 
Und die Printausgabe ist nicht alles. Sie wird ergänzt durch ein digitales Quellenverzeichnis und durch eine App (kann im App-Store heruntergeladen werden). Wirklich professionell. Macht Mut.
 
 
Selbstverlag, Berlin 2011
 
Joachim Kobuss · Januar 2012