Markus Nebel: … your way ...

Markus Nebel über den eigenen Weg: »Have it your way oder über den Mut auf sich selbst zu hören

Ich bin jetzt seit genau 4 Wochen kein Student mehr. Endlich. Eigentlich war der Gedanke an die Zeit danach immer mit gemischten Gefühlen verbunden. 12 Semester Student, fast 6 Jahre in der mollig warmen Schutzatmosphäre der Hochschule verpackt, weht jetzt der Wind der Realität um meine Nase. Eigentlich sollte ich doch jetzt Angst haben: Existenzangst, Orientierungslosigkeit. Panik? Das hatte ich mir zumindest so vorgestellt, und jetzt ist es doch irgendwie anders. Sicher, ein wenig merkwürdig fühlt es sich schon an. Plötzlich sagt keiner mehr wo es lang geht. Keiner außer mir selbst. Und da sind wir ja auch schon beim Thema. Ich bin ab jetzt für mich selbst verantwortlich, bestimme selbst, ob ich mit wehenden Fahnen die Designszene aufmischen werde, sang und klanglos in der Mittelmäßigkeit versinke oder gänzlich untergehe. Ich empfinde diese Ergebnisoffenheit als anregend. Ich kann alles machen oder lassen. Ich kann jeden morgen bis in die Puppen pennen oder früh aufstehen und bis spät in die Nacht arbeiten. Keine sagt mir was ich tun soll und keiner sagt mir was ich lassen muss.

Und darum geht es in der Hauptsache. Man muss dieses undefinierte Gefühl, eine Mischung aus Euphorie und Angst, als angenehm empfinden. Wer jetzt schon panisch wird, weil er eben nicht genau weiß was in einem Jahr ist und ob er sich in einem Monat noch die Mitgliedschaft im Golfclub leisten kann, ist hier falsch. Der Mut und die Lust am Risiko gehören in einem gewissen Rahmen zur Selbständigkeit, wie eben die Planbarkeit und bescheidene wirtschaftliche Sicherheit zur Festanstellung gehören. Glücklicherweise muss in Deutschland niemand wegen chronischer Erfolglosigkeit verhungern oder unter der Brücke schlafen, denn sonst wäre ich sicher auch nicht so gelassen.
 
Vielleicht sehe ich die Sache auch etwas entspannter, weil ich mich auf diesen Moment bereits seit meinem Praktikum im Jahr 2008 vorbereite. Nach einem halben Jahr in einer Berliner Corporate Schmiede war mir klar was ich nicht will: Angestellter werden! Wie Ruedi Baur in einem  Interview mit mir (zu lesen im »Psychogramm des Selbständigen«) so schön treffend formulierte: »Du musst mindestens wissen was du nicht willst«. Jetzt hat man als Gestalter sogar den Luxus zwischen zwei Wegen zu wählen; der Angestelltenlaufbahn oder eben der Selbständigkeit, die sich ebenfalls noch einmal grob in Freelancer und Unternehmensgründer unterteilen lässt. Diese Auswahlmöglichkeit ist bei andere Berufsgruppen seltener anzutreffen und sollte auch bewusst, weil sehr maßgeblich für die später Zufriedenheit, als solche wahrgenommen werden. 
 
Seit also mindestens so mutig und schaut in euch rein, denn im Grunde weiß man, zumindest grob, in welche Richtung man marschieren will und daher vielleicht genau so wichtig ein Tipp von Gregor Ade: »Man muss auf sich selbst hören und nicht Dinge tun, weil einem alle dazu raten. Im Grunde weiß man was der richtige Weg ist.«
 
In diesem Sinne: Seit mutig und hört auf eure innere Stimme – den richtigen Weg kennt nur ihr selbst!
 
© Markus Nebel · Februar 2012
 
Markus Nebel ist Gründer (Dipl. Designer) und schrieb eine Diplomarbeit: »Psychogramm des Selbständigen«.